Domain verbrannt – alles gut!

Nein, der Titel ist kein Versehen, sondern genau so gemeint. Seit wir vor einigen Tagen manuelle Abstrafungen bei Google und das Bestrafen zweier großer Linkseller-Plattformen gesehen haben, weiß ich nicht so genau ob ich lachen, fluchen oder weinen soll, wenn ich die Kommentare der SEO Szene sehe. Anders als ca. 99% der angeblichen Experten wollen wir hier einmal die Hose runterlassen und euch das Beispiel eines Kunden zeigen, dem wir die Domain abgefackelt haben. Ja, richtig gelesen, wir haben ihm die Domain zerlegt und es wird sicher etwas dauern bis sich da wieder was rührt. Er mag uns dennoch und zwar aus einem einfachen Grund: die Domain erfüllte alles was sie sollte UND wir haben immer im vollen Bewusstsein gehandelt, ohne Tricks, Lügen oder der Abteilung „Fachidiot schlägt Kunde tot“.

Das Projekt

Das Projekt war die Domain RouletteOnlineSpielen.net, also ein Bereich, der sehr schwierig ist und gleichzeitig auch sehr umkämpft. Es handelt sich um Onlinecasinos und damit werden aus ca. 20 möglichen Quellen für Links ca. 5, da man mit diesem Thema meist so wenig zu tun haben will wie mit Sexseiten oder Pillenseiten, schließlich ist es nicht so moralisch wie das Banken- und Versicherungsgewerbe *hust*.

Wir betreuen zahlreiche Projekte für den Kunden und von Beginn an gab es zwei Kategorien: langfristige Projekte, die als Marke aufgebaut werden sollen und „schnelles Geld“-Projekte. Die Roulette-Domain gehörte zur zweiten Sorte und dem Kunden wurde hier deutlich gemacht, dass es ein Drahtseilakt wird, da man ganz klar und bewusst gegen Google Richtlinien verstoßen würde mit dem Linkkauf. Meine persönliche Empfehlung war dabei: „es ist keine Premium-Domain, also alles halb so wild“.

Kosten-Nutzen ist alles!

Ja, guter Content gehört auch zu diesem Thema. Man muss den feinen Drahtseilakt finden zwischen freundlich für die Suchmaschine und konvertierend. Dazu gehören natürlich auch Seitenaufbau, technische Voraussetzungen usw. Die Baustellen in diesem Bereich sind und bleiben endlos und darauf basieren ungefähr 100000 Vorträge, die ihr euch alle von Experten anhören könnt. Sie haben im Grunde genommen oft nicht Unrecht und dennoch geht es am Ende des Tages nicht um möglichst hohe Summe der Tagessätze der Consultants, sondern AUSSCHLIESLICH um Profitabilität. Nichts anderes kann und darf zählen (außer man hat einen sehr genauen Plan für ein Exit und setzt ausschließlich auf Wachstum) als die Kosten-Nutzen-Rechnung.

In unserem Fall ging es darum sehr effizient solide Einnahmen zu erzielen. Mühe wurde in Konvertierung gesetzt (also Content und Aufbau der Seite). Es sollten Bedingungen geschaffen werden, bei denen man sowohl eine langfristigere (Betonung: NICHT langfristig) Strategie als auch eine Strategie befolgen kann, bei dem man schnell Geld verdienen kann.

Beim Content waren wir eigentlich sehr geizig, insbesondere bei den Artikeln, die aktuelle Angebote präsentierten. Hier hätte man mehr machen können und müssen, aber es wurde etwas vernachlässigt. Es gab am Ende 36 feste Seiten und 38 „Artikel“. Das war auch schon alles.

Einnahmenmodell

Die erste Testphase sollte zeigen welcher Anbieter die Kunden am besten behandelt und aktiv hält. Nach Abschluss der ersten Berichte war mit 888 der passende Kandidat gefunden. Die Idee war es, dass die ersten 3-4 Listing die Haupteinnahmequelle sind (diese Brands sollten auch ranken), aber man dazwischen alles außer die erste Position nutzt um auch Setup Gebühren für ein Listing zu verlangen.

Maßnahmen

Es gab zwei Wege hier. Auf der einen Seite führten wir natürlich Links aus unserem Netzwerk zu und auf der anderen wurden Links stumpf gekauft. Wir versuchten zu 90% thematisch passend zu bleiben, also Spiele, Casinos usw. als Thema. War ein Link mit viel Power möglich, griffen wir auch zu den altmodischen Mist-Links wie www.hotvsnot.com/Games/Gambling/ – Hinzu kam die übliche Menge an Forenlinks, Kommentar- und anderen Nofollow-Links um den Mix halbwegs gesund zu halten.

Auch hier galt: wir haben nicht extrem viel analysiert, wir haben sehr wenig Zeit in den Linkaufbau gesteckt und viel von den anderen Seiten kopiert, WENN ein Link leicht zu reproduzieren war. Für welche Begriffe wir ranken wollten? Es gab ca. 5-10 Phrasen, die uns lohnenswert erschienen. Eine davon war natürlich die exact match, also „roulette online spielen“ mit keinem riesigen Suchvolumen, aber viel Potenzial. Daneben ging es um 2 Hauptbrands und vereinzelte Begriffe, für die wir ein baldiges Wachstum prognostiziert haben wie beispielsweise Begriffe rund um den Slothersteller NetEnt. Er war zum Zeitpunkt der Seitenerstellung bereits bekannt, aber noch nicht führend. Er fing jedoch an sehr schnell zu wachsen und da sie ihre Lizenz für UK erhalten hatten, war es auch klar, dass immer mehr Anbieter diese Automaten anbieten werden. Gerade bei den Software-Unterseiten entstanden einige natürlich Backlinks.

Entscheidend für den Erfolg solcher Projekte (die schönen schmutzigen Projekte) ist zu verstehen welche Nische wie viel Geld bringen kann und wie man in diese reinkommt.

Die Zahlen

Wir bedanken uns hier beim Kunden, dass wir die Zahlen nennen dürfen, die den Hauptpartner betreffen. Wir werden nicht komplett ins Detail gehen, aber es soll ein Eindruck entstehen wie der Kosten-Nutzen-Faktor war. Wir haben uns dafür die letzten 12 Monate vorgenommen, da die Seite nicht so viel länger aktiv war.

Die Seite hatte NIE mehr als 50 Besucher an einem Tag. Innerhalb eines Jahres konnten wir ca. 11.500 Besucher auf die Seite bringen, die im Schnitt 2 Minuten und 50 Sekunden auf der Seite verbrachten. Die Absprungrate lag dabei bei 30%. Ca. 9000 der Besuche waren über die Suchmaschinen zu uns gekommen. Die wichtigsten Begriffe waren:

  • 888 casino
  • Roulette online spielen
  • Roulette online
  • Roulette spielen
  • 888 casino bonus
  • Bet365 casino

Die Einnahmen der Seite werden wir auf Wunsch des Kunden nicht komplett aufschlüsseln. Es gibt zwei Punkte, die wir jedoch nennen bzw. zeigen dürfen. Als die Seite einmal rankte, waren Setup Gebühren möglich. Hier wurden in ca. 8 Monaten umgerechnet 7000€ eingesammelt. Wichtig dabei war, dass es keine Flat-Fees waren, da der Kunde unbedingt an den lifetime revenue shares teilhaben sollte, da gerade im Casinobereich ein Highroller extrem hohe Einnahmen bringen kann.

Wir haben ebenfalls die Erlaubnis mit 888 den besten Partner der Seite präsentieren zu dürfen und hier sind sie.

  • Neukunden, die eingezahlt haben: 174
  • Generierte Einnahmen für 888: $135.981
  • Commission für unseren Kunden: $50.160

Es wurden also mehr als 50k erwirtschaftet (USD, nicht Euro) bei dem Hauptbrand. Die anderen liegen laut dem Kunden drunter, aber nicht extrem weit drunter, jedenfalls für die ersten drei Partner.

Schluss mit den Märchen

Es geht hier nicht um Lobhudeleien auf das Schnell-Reich-Werden Prinzip, denn das gibt es trotz allem nicht. Man muss Fachwissen haben und wissen wo man wie ansetzen muss, aber bei allen Themen gilt: sachlich bleiben!

Sollte man so mit einer Premium-Domain umgehen? Natürlich nicht! Sollte man dieses Vorgehen als Haupteinnahmequelle haben? Auch das nicht! Sollte man auf Gurus hören? Nein, man sollte ihnen jedoch zuhören. Es geht um das Gesamtbild und nicht darum ein idealisiertes SEO-Bild zu schaffen.

Der Job eines SEO-Experten ist in erster Linie seine Firma am Leben zu halten, was absolut legitim ist. Um dies zu erreichen müssen Trends gefunden werden, die dem Kunden verkauft werden. Im Moment heißt der Trend „Content-Marketing“ und dürfte voll sein mit Halbwahrheiten und ….nunja, Lügen.

Ein Beispiel, das ich diese Woche in meiner Facebook Timeline gesehen habe. Nach der Penalty (also dann wenn alle schlauer sind) hielt ein „SEO-Experte“ einen Monolog darüber, dass Linkkauf tot ist und man nur noch auf geilen Content setzen könne. EINEN Tag später bot er in einer Gruppe den Kauf eines ganz tollen, einzigartigen und wertvollen Backlinks, der auch nur einmal verkauft wird an. Er würde es den meisten Kunden als Contentmarketing verkaufen, weil man den Link in einen ganz tollen Artikel verpackt, doch die Wahrheit ist so simpel wie stumpf: es ist einfach ein billiger Linkkauf bzw. in dem Fall ein teurer durch die Exklusivität.

Ihr als Betreiber müsst euch das Wissen aneignen zu verstehen welche Mühe sich für welchen potenziellen Ertrag lohnt (oder ihr findet die passende Agentur, denn auch diese gibt es). Außerdem gilt es die eigene Abhängigkeit von Google zu minimieren und hier kommen technische als auch inhaltliche Lösungen ins Spiel, aber darum geht es in diesem Artikel nicht, sondern um das Verbrennen einer Domain…und das muss nicht immer ein Grund zum Weinen sein.

Mir ist bewusst, dass jetzt viele sagen werden, man hätte mit einem langsamen Aufbau die Domain nicht abgefackelt. Das ist richtig, aber es hätte deutlich mehr Zeit und Mühe gekostet und damit deutlich mehr Geld und das Einnahmenniveau wäre noch immer nicht da wo man es haben will. Der größte Fehler ist so zu tun als sei Zeit kein Kostenfaktor. Es ist sogar euer wertvollstes Asset und wenn es das nicht ist, dann seid ihr vielleicht auch keine Unternehmer.

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7 Kommentare

  1. Marco

    Oh man, ich danke dir für diesen Beitrag!

    „Der Job eines SEO-Experten ist in erster Linie seine Firma am Leben zu halten, was absolut legitim ist. Um dies zu erreichen müssen Trends gefunden werden, die dem Kunden verkauft werden. Im Moment heißt der Trend „Content-Marketing“ und dürfte voll sein mit Halbwahrheiten und ….nunja, Lügen.“

    Damit triffst du den Nagel auf den Kopf. Genau deswegen findet man gute Blogbeiträge wie diesen hier nur noch gaaaanz selten! Das meiste ist Einheitsbrei und seichtes Nachgebrabbel und hat selten noch etwas mit der Wahrheit oder gut analysierten Theorien zu tun.

  2. Sandra

    Coole Sache.

    Wenn Du ein Streichholz nach dem anderen verbrennst wirst du keine Suppe warm kriegen. Wenn Du hingegen mehrere nimmst, brennen die zwar nicht so lang, aber Du kannst die Suppe essen.

  3. Taiber Roger

    Hallo, interessant zu lesen. Kenne auch den SEO der sich über Linkbuilding aufgeregt hat und am nächsten Tag einen angeboten hatte ich glaube für 197 Euro oder so. Musste auch lachen. Deine Schreibweise ist super. Also für mich. Hau rein. Werde dein Fan. Roger

  4. Udo

    Danke für den interessanten Einblick. Wäre natürlich noch „nett“ zu wissen, was Eure Dienstleistung (inkl. Linkaufbau / Content) gekostet hat 😉

  5. Konrad

    Danke für den Artikel und insbesondere die Offenlegung der Zahlen! Interpretiere ich das korrekt, dass nur über einen Partner alleine schon $50k Provisionen eingesammelt wurden, dazu aber noch einige weitere Partner kamen und so in dem einen Jahr sicher mehr als $100k an Provisionen generiert wurden?

  6. Verzeihung, dass die Freischaltung der Kommentare ewig gedauert hat. Wir waren komplett im Projektsumpf und haben die Firmenhomepage bzw. Blog wirklich vernachlässigt.

  7. Ein Update….die Abstrafung ist beseitigt und wir schauen nun welchen neuen Spaß man mit dem Projekt haben kann!

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