Brexit als Unternehmensversagen

Der Brexit als Unternehmensversagen

Der Brexit ist das allgegenwärtige Thema und dennoch wird es leider fast nie sachlich behandelt. Auch wenn ich hier schon einmal politisch wurde, so möchte ich dieses Mal die politische Situation eher nutzen um sie als Unternehmen zu betrachten, denn aus dem Brexit lassen sich so unglaublich viele Dinge lernen, die auch Unternehmen betreffen.

Bist du gut, dann werbe auch damit

Bei Wohltätigkeit bin ich kein großer Freund von „tue Gutes und sprich darüber“, außer in Fällen, in denen man andere ebenfalls zu Wohltätigkeit bewegen möchte. Als Unternehmen sieht das etwas anders aus. Wer gut arbeitet MUSS in der heutigen Zeit auch anfangen laut genug zu sein. Das bedeutet nicht, dass man sich wie ein Marktschreier hinstellt und alles zusammenbrüllt, was nicht eh schon weggelaufen ist, aber es bedeutet, dass man dem Adressaten aufzeigt und erklärt, dass man ein starkes Produkt abgeliefert hat.

Und hier kommt die erste Lehre aus dem Brexit. Wie viele von euch wissen wie viele Infrastruktur Projekte aus Mitteln der EU finanziert wurden? Niemand? Keine Sorge, das ist nicht eure Schuld, sondern die der EU. Obwohl Milliarden in die einzelnen Staaten investiert werden und die EU eigentlich bei fast allen wichtigen Projekten mitfinanziert, wird das kaum erwähnt oder gar beworben. Das höchste der Gefühle ist eine kleine versteckte Tafel an einer Brücke oder einer anderen Stelle, die niemand bemerken wird.

Ein grundlegendes Problem, tief verwurzelt in der Psyche von Menschen. Funktioniert etwas perfekt, geschieht etwas Gutes um einen herum, fragen wir oftmals nicht nach Verursacher, sondern genießen den aktuellen Zustand. Kommt es dagegen zu Problemen, dann ist die Suche nach dem Schuldigen meist die erste Reaktion. Diese menschliche Schwäche führt dazu, dass ein Unternehmen oder im Brexit-Fall eine Institution dafür sorgen muss, die Nachricht an die Bevölkerung zu bringen.

Zwei Beispiele aus der Praxis

Zwei Beispiele aus der Praxis. Ich verbringe im Sommer gerne einige Wochen in Ostholstein in einem wirklich kleinen Ort. Dort wurde schon vor mehr als 100 Jahren nach einer Flutkatastrophe der Deich gebaut und seitdem blieb es lange ruhig. Nachdem jedoch 2009/2010 beinahe die erneute Katastrophe eingetreten war, weil der alte Deich zu klein schien, investierte man 23 Millionen in die Verstärkung bzw. Ausbau des Deichs. Davon kamen an die 50% aus EU Mitteln. Ich habe den Versuch gemacht und immer wieder Leute gefragt ob sie das wissen…nein, die Mehrheit hat keine Ahnung, ist aber absolut froh, dass der Deich ausgebaut wurde. Nachzulesen ist das irgendwo versteckt im Internet oder auf einer Mini-Tafel irgendwo am Deich. Einen Anteil an diesem Problem hat die Lokalpolitik, aber dazu später.

Ein weiteres Beispiel sehen wir gerade in Großbritannien. Cornwall wählte mehrheitlich den Brexit. Dies zeichnete sich schon vorher ab und die Zeitungen titelten schon „money can’t buy love“…doch die Mehrheit der Bevölkerung dort weiß nicht einmal was woher floss und wie viel die EU ausgegeben hat. Nun will man die gleichen Gelder von London haben, doch das wird in der Höhe kaum möglich sein. Dabei war diese Region extrem vom Export in die EU abhängig und eben extrem strukturschwach. Wie konnte es also dazu kommen? Ganz einfach, die EU hatte sich darauf verlassen, dass die Leute dort schon wissen werden was sie von ihr haben, doch genau so funktioniert es eben nicht. Nicht im Marketing und sicher auch nicht bei den einfachen Leuten, die sich nicht im Internet durch Berichte über Förderung durcharbeiten werden.

Selbstbewusstsein und das erkennen von eigenen Stärken

Die zweite Lehre ist eng verbunden mit der ersten. Die EU ist wie ein Unternehmen, das sich nicht traut über die eigenen Stärken selbstbewusst zu sprechen, weil sie vielleicht auch nicht weiß was ihre Argumente sind. Dies ist eines der wichtigsten Schritte in einer Strategie des Markenaufbaus. Eine klare Nachricht, klare herausgearbeitete Stärken, die man vermitteln möchte, alles grundlegende Dinge, die sowohl viele Unternehmen als auch die EU nicht hinbekommen.

Auf der klaren Eigendefinition basierend kann auch das so wichtige Selbstbewusstsein ausgestrahlt werden. Wie wollen wir jemand anderen von unserem Produkt bzw. Projekt überzeugen, wenn wir dabei nicht ausstrahlen, dass wir genau wissen warum wir dahinterstehen. Bei solchen Fehlern ist es auch nicht überraschend, dass Wettanbieter wie William Hill komplett daneben lagen bei den Wetten auf den Brexit.

Die falsche Unternehmenskultur

Eine Krebsgeschwür für jedes Unternehmen und eben auch für die EU. Die Mentalität bei Fehlern schnell auf andere zu zeigen und bei Erfolg ganz schnell sich selbst als den Ursprung darzustellen. In Unternehmen lässt sich das im Notfall durch das Ersetzen von Personal verbessern, aber auch hier stinkt der Fisch vom Kopf an. Brüssel und die Regierungschefs machen diese Kultur vor, indem sie bei Erfolgen immer nur den eigenen Wahlkampf fördern und bei Problemen ganz schnell den Finger nach Brüssel und zur ihren Vorschriften richten. Warum sollte also der kleine Kommunalpolitiker anders agieren als ein Staatschef?

Du bestimmst nicht die Grenze

Nun eines meiner Lieblingslehren..in diesem Fall sowohl fürs Unternehmertum als auch fürs Leben. Wenn sich zwei Parteien gegenüber stehen, kannst du dir noch so oft wünschen, dein Gegenüber möge so anständig sein wie du, doch du hast keine Macht darüber. Während die Brexit Seite aktiv mit Lügen arbeitete, wollte sie EU Seite viel zu lange fair bleiben und eben nicht schmutzigen Wahlkampf betreiben.

Die Grenze bestimmst eben nicht Du, also sei bereit in einigen Auseinandersetzungen deine Grenzen über Bord zu werfen und den Kampf aufzunehmen. Wer glaubt, dass ihm solche Situationen als Unternehmen nicht begegnen werden, den muss ich enttäuschen: sie werden sogar zahlreich sein!

 

Wie ich sagte…es ging nicht um Politik, aber der Brexit sollte uns nicht auch nicht nur politisch eine Warnung sein. Nur wer als Unternehmen seine eigene Stärke kennt und diese betont kann andere davon überzeugen diese anzuerkennen.

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